
Zuerst entsteht der Hintergrund – eine Grundlage, manchmal bewusst, manchmal aus einer Laune heraus. Wenn ich heute meine Nacktalas betrachte, freue ich mich darüber, dass tatsächlich Werke einmal so geworden sind, wie ich sie mir zu Beginn in meinem Inneren vorgestellt hatte. Farbintensität verbunden mit einer Gleichmäßigkeit und Wiederkehr – ein Zusammenspiel, das beruhigend auf mich als Betrachterin wirkt.
Der Begriff „Nackt-ala“, der den Titel dieses Gemäldemotivs bildet, setzt sich aus den beiden Wörtern „Nackt“ und „Mandala“ zusammen.
Nacktheit bedeutet für mich Natürlichkeit, sich frei machen, loslassen, zeigen, was sich dahinter verbirgt. Die Personen der Nacktalas nehmen unterschiedliche Posen ein, sind nackt, verstellen sich nicht, sind verschieden und dennoch gleich.
Das Wort Mandala hingegen stammt aus der altindischen Sprache und bedeutet Kreis, auch Kreisbild oder kreisförmig. Der konzentrische Aufbau lässt alle Linien und Muster in die Mitte des Mandalas führen, oder aus ihr heraus? Der Ursprung, aus dem alles wächst – ein kleiner Punkt, stets mittig. Wobei die Anordnung bei traditionellen Mandalas nicht zufällig ist, nutze ich meine Kreativität und lasse meinen Stift nur so über das Gemälde fließen, entdecke neue Formen, spiele mit den zufällig entstandenen Bildnissen im Hintergrund und lasse so neue Gebilde entstehen. Eine Art Meditation, die heutzutage durch das Ausmalen eines Mandalas erreicht werden soll, erlebe ich während der Entstehung eines Nacktalas.
Auf dem Hintergrund nehmen die Personen – meist Frauen – dann ihren Platz ein, werden angeordnet, neu sortiert, erhalten abschließend ihre Kontur.
Seit Jahrhunderten wirken Mandalas durch die Vielzahl an Formen und Mustern unglaublich faszinierend auf uns Menschen, dienen in der heutigen physischen Welt vielen als Meditationshilfe oder bildliche Darstellung der Selbstfindung. Die wiederkehrenden Formen geben uns Zuverlässigkeit, dennoch gibt es immer wieder Neues zu entdecken.
Zuverlässige Strukturen und wiederkehrende Abläufe geben unserem Leben Sicherheit, wirken beruhigend.



„Nacktala III“ | Acryl und Faserstift auf Leinwand | 2019 | 80 x 80 cm
Neue Erfahrungen und Erlebnisse abseits unserer Komfortzone wirken dagegen belebend und erfrischend. Sie geben uns die Möglichkeit, neue Seiten an uns zu entdecken, auszubrechen, unsere Natürlichkeit ans Licht zu bringen.
In den Kulturen des Hinduismus und des Buddhismus gelten Mandalas als hoch energetische Symbole. Buddhistischen Mönchen benötigen für die Fertigstellung eines traditionellen Mandalas 7 Tage. Anschließend darf es von allen betrachtet und zur Meditation genutzt werden, bevor es wiederum in einer Zeremonie zerstört wird. Dies verbildlicht die Unstetigkeit des Lebens und, dass die Loslösung von irdischen Dingen ein wichtiger Schritt zum Verständnis des Universums ist. Gleichzeitig symbolisiert es die einfache Schönheit der Dinge und den Wert, jeden Moment bewusst zu schätzen.


„Nacktala I“ | Acryl und Faserstift auf Leinwand | 2019 | 80 x 80 cm | VERKAUFT
Auch wenn dies nicht mein Ziel bei der Erschaffung der Nacktalas war, so gefällt mir doch der Gedanke, die Betrachterinnen und Betrachter meiner Kunstwerke auf die einfache Schönheit der Dinge aufmerksam machen zu können. Und sollten wir uns alle nicht einfach einmal loslösen? Von Zwängen, stupiden Strukturen oder gar materiellen Dingen? Im Laufe der Jahrhunderte haben Mandalas nichts von ihrer fesselnden Wirkung auf Menschen verloren. Und auch ich bin jedes Mal aufs Neue gefesselt, wenn ich mein vollendetes Werk betrachte. Bildnisse, keines gleicht dem nächsten.
Doch haltet inne, denn es gibt so viel zu entdecken.
