Vielfältiges Jordanien – Tipps für eine Reise in den Mittleren Osten

Schaf- und Ziegenherden die direkt neben der Schnellstraße nach Futter suchen, Einheimische, die auf ihren Eseln ins nächste Dorf reiten, Beduinen, die vor ihren Zelten schwarzen Tee trinken und hupende Taxifahrer, die gern auch einmal durch riesige Schlaglöcher rasen, anstatt sie zu umfahren – Von grünen, saftigen Weiden im Norden Jordaniens ging es für uns im April 2022 vorbei an den weißen Salzküsten des Toten Meeres zu Wüstenlandschaften, beeindruckenden Felsformationen und feinstem Sand in allen erdenklichen Farbnuancen.

Jordanien ist landschaftlich unglaublich vielfältig und kulturell wahnsinnig spannend. Mehr als einmal wurden wir von den Einheimischen herzlich mit einem freundlichen „Welcome to Jordan“ begrüßt, weshalb ich euch eine Reise in den Mittleren Osten uneingeschränkt empfehlen kann.

Tipps für eure Reiseplanung, wie viel Zeit ihr für die Hauptattraktionen benötigt und welche Orte ihr ruhigen Gewissens auslassen könnt, habe ich euch in folgendem Beitrag zusammengefasst.

1. Eine Rundreise ist ein Muss!

Gerade weil Jordanien ein so vielfältiges Land ist, wäre ein Aufenthalt in nur einer Region absolute Zeitverschwendung! Ganz egal ob ihr euch von einem Taxi von Ort zu Ort bringen lassen wollt, ihr gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seid oder ihr lieber wie wir mit dem eigenen Mietwagen weiterreisen wollt – geht auf Entdeckungstour und lasst euch von der abwechslungsreichen Landschaft faszinieren und der Freundlichkeit der Einheimischen mitreißen. Selbst bei Polizeikontrollen war man lediglich an unserem Heimatland oder unserem nächsten Ziel interessiert und wollte selten Ausweise, Fahrerlaubnis oder Fahrzeugpapiere sehen.

2. Den grünen Norden entdecken

Umm Qais, Irid, Jerash – zahlreiche Ausflugshighlights zogen uns in den Norden des Landes. Einen besonders bleibenden Eindruck bei uns hinterließ der weniger bekannte Ecopark mit dem nahegelegenen Sharhabeel Dam sowie die Fahrt dorthin.

Über grüne Hügellandschaften und vorbei an sattgrünen Feldern ging es zu einem der wenigen Seen des Landes. Vor Ort werdet ihr auf viele Einheimische und auch Touristen aus den Nachbarländern treffen, die hier ihren Urlaub verbringen und picknicken. Da Seen in Jordanien wirklich selten sind, können wir umso mehr verstehen, dass die Locals hier Ruhe und Auszeit von all dem Trubel in den Städten suchen.

Tipp: Nehmt euch ebenfalls eine kleine Decke und Verpflegung mit und freut euch darauf, leicht mit den anderen Besuchern im Ecopark ins Gespräch kommen zu können. Wir waren vor Ort die einzigen Europäer und ein gern gewähltes Fotomotiv. 😉

3. Eine Nacht in der Wüste Wadi Rum

Gerade wenn ihr bereits einige turbulente, abenteuerliche und aufregende Tage hinter euch habt, werdet ihr die Idylle in der Wüste Wadi Rum lieben. Zahlreiche Camps verstecken sich hinter den imposanten Felsformationen und die Auswahl an Touren ist groß. Wir waren mit Mahdi und seinem Team unterwegs und schliefen eine Nacht in seinem Candlescamp, was ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Die Organisation und Kommunikation vorab war einwandfrei und die Tour sehr sehenswert.

Die Wüste Wadi Rum ist einzigartig. Die Farben des Sandes variieren in ihren Farbtönen innerhalb weniger Meter von hell gelb, über orange bis tief rot. Zeitweise fühlten wir uns wie auf dem Mars (nicht, dass wir jemals dort gewesen wären ;-)). Der krönende Abschluss unserer halbtägigen Jeeptour war der Sonnenuntergang in der Wüste während dem wir frisch aufgebrühten schwarzen Tee und eine kleine Süßigkeit genossen. Abends durfte wir beduinischer Live-Musik lauschen und bekamen ein köstliches Abendessen aus dem Sandofen serviert.

Apropos: Inspiriert von der außergewöhnlichen Schönheit dieser Wüstenlandschaft und den unterschiedlichsten Felsformationen habe ich dieses Mal nicht zu Farbe und Pinsel, sondern zu Ton und Sand gegriffen. Entstanden ist der Pflanztopf „WADI“ – ein Upcycling-Projekt, das ein Glasgefäß mit luftgetrocknetem Ton und Sand aus der Wüste Wadi Rum vereint.

4. Felsenstadt Petra – eines der neuen Weltwunder hautnah erleben

Natürlich dürft ihr Jordanien nicht verlassen, ohne die Felsenstadt Petra erlebt zu haben. Wenn ihr motiviert seid, euch Hitze nichts ausmacht und gut zu Fuß unterwegs seid, könnt ihr wirklich viel an einem Tag in Petra entdecken. Um zunächst einen Überblick zu bekommen, lauft den Weg vom Visitor Center bis zur Monastery. Mit zahlreichen Fotostopps seid ihr da gut und gerne 3-4 Stunden unterwegs. Aber der Weg lohnt sich, denn das Kloster ist noch einmal um einiges größer und imposanter als die Schatzkammer, die ihr bereits nach dem Weg durch den Siq als erstes zu sehen bekommt.

Tipp: Folgt den Schildern „Best View of the world“, denn sie halten, was sie versprechen. 🙂

Einige Touristen liefen von dort aus weiter nach Klein-Petra. Wir traten nach einer Pause den Rückweg an, denn wir hatten vorab ein 2-Tagesticket gebucht und so noch genug Zeit für eine Erkundungstour am nächsten Tag.

Den zweiten Tag traten wir entspannter an, suchten uns Wege nach oben und besuchten die Totengräber. Für den Abend buchten wir zusätzlich entgegen der zahlreichen negativen Bewertungen „Petra by night“. Hierbei handelt es sich aber leider wirklich um eine Massenabfertigung, wobei die ersten Besucher wahrscheinlich mittels Reisebusse ankamen und nach den ersten 20 Minuten bereits wieder den Rückweg antraten, obwohl die Veranstaltung noch gar nicht zu Ende war. Auch wenn die beleuchtete Schatzkammer wahrlich beeindruckend aussah, war die gesamte Stimmung unruhig und glich einem Kampf um das beste Foto.

5. (K)ein Abstecher zum Roten Meer

Die einzigen Stadt Jordaniens am roten Meer ist besonders beliebt bei Taucherinnen und Tauchern und ein populärer Urlaubsort bei Jordaniern, die sich eine Abkühlung von der Hitze im Binnenland gönnen. Seit 2001 ist Aqaba zur Freihandelszone erklärt worden, was sich vor allem in den vergleichsweise niedrigen Preisen für Alkohol widerspiegelt.

Wir hatten die Zwischenübernachtung nach unserer Wüstentour eingeplant und kamen leicht mit Einheimischen ins Gespräch als wir einige (alkoholfreie) frisch gepresste Drinks an einer Strandbar genossen.

Wenn ihr große Tauchfans seid, solltet ihr einen Aufenthalt am roten Meer unbedingt einplanen. Alle anderen können die Hafenstadt Aqaba meines Erachtens skippen.

Tipp: Wenn ihr euch einen Stopp am Roten Meer dennoch nicht entgehen lassen wollt, startet lieber eure Reise in Aqaba und arbeitet euch dann nach Norden vor oder andersherum.

6. Totes Meer – mit oder ohne Resort?

Wer auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft am Toten Meer ist, wird schnell merken, dass dort hauptsächlich Resorts und größere Hotelanlagen ihre Zimmer zu nicht gerade günstigen Preisen anbieten. Wir übernachteten für 2 Nächte im Mövenpick Resort und freuten uns auf die Erholung im Spa am Ende unserer Reise.

Dennoch gibt es den ein oder anderen Spot am toten Meer, an dem ihr euch gut und gerne einen halben oder ganzen Tag aufhalten könnt, und auch ganz ohne Resort in den Genuss des Schwebens kommt.

Tipp: Am besten legt ihr einen Stopp ein, wenn ihr von Norden nach Süden fahrt. Meist erkennt ihr die kostenfreien und leicht zugänglichen Badestellen an den Parkbuchten direkt an der Straße 65. Achtet unbedingt darauf, dass sich eine „Dusche“ in der Nähe befindet, denn wenn ihr nach dem Baden das Salzwasser längere Zeit nicht abwaschen könnt, wird es unangenehm.

7. Die arabische Küche kennen & lieben lernen

… geht am besten mit einem Kochkurs bei Beit Sitti – meine absolute Herzensempfehlung! Wenn ihr den Kochkurs gleich zu Beginn eurer Reise macht, bekommt ihr einen guten Überblick über die arabische Küche und werdet einen Großteil der Speisen in den örtlichen Restaurants wieder entdecken.

Wir nahmen am letzten Tag unserer Reise teil und hatten somit einen tollen Abschluss. Der Kurs findet auf Englisch statt, ihr könnt eure Fragen zu den Gerichten loswerden und auch die ein oder andere Zutat für daheim ergattern. Die Rezepte zum Nachmachen findet ihr online.

Fazit: Insgesamt dauerte unsere Reise 13 Tage. Wir starteten und endeten in der quirligen Hauptstadt Amman. Egal wo wir hinkamen, wir wurden mit offenen Armen und Neugier empfangen. Wart ihr schon einmal in Jordanien? Was waren eure Highlights? Ich freue mich auf eure Kommentare. 🙂

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