
Meer, so weit das Auge reicht. Ein Wind, der einem mal stärker, dann wieder schwächer durch das Haar weht. Klare, erfrischende Luft, kein Autogeräusch stört die Stille. Die Nordseeinsel Helgoland wird nicht umsonst als ‚Die Insel die atmet‘ bezeichnet. Hier steht vielleicht nicht die Zeit still, dennoch hat man das Gefühl, die Uhren würden zumindest ein wenig langsamer laufen als daheim.
Mit gerade einmal 1700 m Länge und 600 m Breite ist die Hochseeinsel ohne Zweifel gut an einem Tag zu erkunden. Ich entschied mich jedoch im September 2020 dafür, die Insel mit all ihren Vorzügen fünf Tage lang zu genießen.
Warum Helgoland für mich mehr als einen Tagesausflug wert ist, habe ich für euch in den folgenden drei Kategorien zusammengefasst.




1. Momente der Stille
Helgoland ist nicht nur die einzige Hochseeinsel Deutschlands sondern liegt mit knapp 70 km auch am weitesten vom deutschen Festland entfernt, das sich somit nicht in Sichtweite befindet. Auf dem Oberland und während des Rundweges am Klippenrand habt ihr dadurch einen schönen Blick auf die weite des Meeres und die Düne, die sich einen knappen Kilometer von der Hauptinsel entfernt befindet. Das verstärkte für mich das Gefühl der Abgeschiedenheit. Einmal Loslassen, tief Luft holen und genießen! Unberührte Natur, fantastische Felsformationen und alle paar Meter eine Bank, um die Aussicht ganz in sich aufsaugen zu können – oder auch um das Skizzenbuch herausholen zu können. 😉
Gut zu wissen: Tagesausflügler setzen meist am späten Vormittag einen Fuß auf die Insel und sind dann meistens auf der Suche nach den günstigsten Schnäppchen für Markenbekleidung, Parfüm, Kosmetik, Spirituosen oder Zigaretten. Denn zollrechtlich liegt die Insel im Ausland ist damit Zollfreigebiet ganz ohne Zollgebühr. Gegen 16 Uhr wird es dann wieder ruhiger auf der Insel, wenn die Fähren mit den Pendlern ihre Rückfahrten antreten.



2. Tierbeobachtungen
Doch die kleine Insel hat wahrlich mehr zu bieten als hochkarätige Waren zu Schnäppchenpreisen. Besonders im Frühjahr und Herbst während des Vogelzuges könntet ihr auf zahlreiche Ornitologen treffen, die ausgerüstet mit Fernglas, Zoomobjektiv und Co. über die Insel waten. Nicht ohne Grund: zahlreiche Vogelarten pausieren auf der Insel während ihres Fluges gen Süden oder haben Helgoland als perfekten Ort für den Nestbau für sich entdeckt.


Ich persönlich war von der stattlichen Größe der Basstölpel beeindruckt und staunte nicht schlecht, als ich sah, wie nah wir ihnen kommen konnten. Überall an und auf den Felsen brüten Vogelpaare. Der bekannteste Fels unter ihnen und gleichzeitig ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet erhielt den Namen Lummenfelsen, benannt nach den gleichnamigen Lummen-Vögeln. Im Gegensatz zum Rest der Insel geht es in der Nähe der Vögel ein wenig lauter zu und auch der typische Geruch zieht einem schnell in die Nase. Einige versorgen ihren Nachwuchs mit Futter, andere setzen zum Weiterflug an und schwebten über unsere Köpfe hinweg in Richtung Meer. Ein wahres Schauspiel!



Zeitgleich grasten hinter uns Schafe auf der Weide, schnitten uns ab und an den Weg ab. Fast täglich besuchten wir die Vögel mit ihren auffälligen, hellblauen Schnäbeln und konnten ihr Verhalten untereinandern hautnah miterleben. Mein Tipp: Ihr braucht nicht unbedingt ein Fernglas, um einige Vögel aus nächster Nähe betrachten zu können. Aber lieber haben, als hätten. 😉
Beim genauen Hinsehen wird einem leider auch eine traurige Auswirkung des Mülls in den Weltmeeren auf das Leben der Vögel deutlich. Nicht selten finden sie nämlich für den Bau ihrer Nester Reste von Fischernetzen und nicht selten verenden Tiere qualvoll am Felsen, weil sie sich in den Netzstücken verheddern. Welche großen Probleme solche sogenannten Geisternetze im Meer verursachen, durfte ich bereits bei Vorträgen von (Unterwasser-)Archäologe Florian Huber erfahren. Seine Bücher und seinen Instagram-Kanal kann ich euch bestens empfehlen!





An einem der Tage setzten wir mit einem Schnellboot auf die Badedüne über. Dort trafen wir Inselbewohner, die sich nicht in den Lüften, sondern in den Tiefen des Meeres pudelwohl fühlen. Seehunde und Robben waren für mich ein weiteres Highlight während meines Aufenthaltes.


Aus Liebe zu den Tieren und aus Schutz für uns Menschen achten ‚Wächter‘ darauf, dass alle den notwendigen Abstand zu den Tieren wahren, wenn sie sich einmal am Strand niedergelassen haben. Das ist aber kein Problem. Ihr könnt dennoch gemeinsam mit den Tieren am Strand entspannen und baden gehen.
3. Perfekte Sonnenuntergänge
Wenn ihr mehrere Tage auf Helgoland verbringt, kommt ihr – anders als Tagestouristen – sicherlich mindestens einmal in den Genuss von einem wunderschönen Sonnenuntergang. Und wenn ihr diesen dann noch von einem Boot aus erleben dürft, ist der Abend perfekt. Doch Bilder sagen mehr als tausend Worte, also seht selbst. 🙂





Habt ihr schon einmal Robben oder Seehunde in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten können oder wart ihr bereits einmal auf Helgoland? Schreibt es mir gern in den Kommentaren. 🙂
